In den letzten Monaten haben die Planungen zur „Neuen Stadtmitte“ und zum „Gartenquartier“ auf dem ehemaligen Siemensparkplatz die Berichterstattung und die Diskussionen in unserer Stadt beherrscht. Dabei ist in den Hintergrund getreten, dass sich das sogenannte Projekt Koryfeum, südlich des Businesscampus, bereits in der Realisierungsphase befindet. Nach einer längeren Bauunterbrechung 2019 wurde Ende letzten Jahres die Bautätigkeit wieder aufgenommen.
Am 07.01.2020 ist im Lokalteil der SZ ein Artikel zum Koryfeum-Projekt erschienen. Darin wird berichtet, dass im Endausbau mehr als 4.000 Arbeitsplätze (Quellen: sz.de/1.4746081; FREO (Investor) Pressemitteilung 25.07.2018) auf ca. 80.000 m² Bruttogeschoßfläche (BGF) entstehen sollen (Quelle: Bebauungsplan (BP) 79c). Im Münchner Merkur am 01.09.2018 war noch von einer „Anlage mit Büros für bis zu 1.600 Beschäftigten“ die Rede.
Auf schriftliche Nachfrage bezeichnete Herr Bürgermeister Böck die 4.000 Arbeitsplätze als Falschmeldung. Richtig dagegen seien 1.600 Arbeitsplätze, die auch den Berechnungen der „Verkehrsuntersuchung Office Plaza Unterschleißheim“ vom 17.03.2016 zu Grunde liegen (Quelle: BP 79c, Anlage 4.1). Die Arbeitsstätten-Verordnung gibt für ein Großraumbüro einen Richtwert von 12-15 m²/Arbeitsplatz (AP) vor. Bei 1.600 AP errechnet sich für das Koryfeum ein Wert von 50 m²/AP. Selbst bei anteiliger Hinzurechnung von Infrastrukturflächen wie Treppenhäuser, Flure, Allgemeinflächen usw. liegt diese Zahl nicht ansatzweise in der Nähe des Richtwertes. Werden allerdings 4.000 Arbeitsplätzen dargestellt, liegt der spezifische Wert bei 20 m²/AP. Also nicht 4.000 AP sondern 1.600 AP ist die Falschmeldung. Was kann der Bürger noch glauben?
Fazit: 80.000 m² Bruttogeschossfläche sind im BP 79c festgestellt und werden realisiert. Damit werden auf dem Gelände mindestens zweieinhalb Mal so viele Arbeitsplätze entstehen wie in der erwähnten Verkehrsuntersuchung angesetzt. Das bedeutet, dass die Landshuter Straße, die auf Basis der Erkenntnisse der vorgenannten Untersuchung in den vergangen eineinhalb Jahren „zukunftsfest“ gemacht worden ist, in absehbarer Zeit ihre Leistungsgrenze wieder erreichen wird.
Ein unglaublicher Vorgang! Vor allem wenn man bedenkt, dass durchaus deutlich mehr als 4.000 AP dargestellt werden können, ohne dass der AP-Richtwert überschritten wird. Was das für den Verkehr bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen.
K.-U. Reisenweber, Mitglied der Bürgerinitiative Stadt mit Maß und des BfU-Bündnis für Unterschleißheim
(der Text wurde veröffentlich im Lohhofer Landkreis & Anzeiger vom 18.01.2020)